Stabilität ist die Basis von allen

Dieser Satz klingt für viele langweilig und nach harter Arbeit. Ja, es war harte Arbeit am Slovakiaring. Und nein, es war nie langweilig. Die vor den Toren von Bratislava, im Jahr 2009 eröffnete, fast 6 km lange Rennstrecke stand erstmals auf dem Kalender der EWC. Die Strecke mit Ihren 4 Kuppen, lang gezogenen schnellen Kurven und engen Kehren verlangte Mensch und Maschine, aber vor allen den Reifen bei Asphalttemperaturen bis zu 60°C alles ab.

Um allen ausländischen Teams eine gewissen Chancengleichheit zu gewähren, setzte der Veranstalter am Dienstag und Mittwoch fast 14 Stunden freies Training an, was am Dienstag sogar ein Nachttraining beinhaltete. Das war auch gut so, trat doch ein Problem zutage, was die Motorradszene so noch nicht kannte. Eine Großkäferinvasion fiel bei Einbruch der Dunkelheit über jede Lichtquelle her. Nach einer halben Runde waren die Visiere der Fahrer derart verschmutzt, dass normale Sicht unmöglich war und da die Anzahl der Abreißvisiere auch endlich ist, entschloss sich die Rennleitung zur Vorverlegung des Starts und damit für einen Zieleinlauf um 21:30 Uhr, was sich als absolut richtige Entscheidung herausstellte.

Technisch und logistisch gut vorbereitet wollte man den Fahrern Rico Löwe und Filip Altendorfer den Brandenburger Tobias Kollan zur Seite stellen, der über viel Streckenkenntnis am Slovakiaring verfügt. Diese wollte er bereits in der Vorwoche im BMW S1000RR Cup weiter ausbauen, kam aber dabei schwer zu Sturz und zog sich eine schmerzhafte Knieverletzung zu. Teamchef Karsten Wolf ereilte die Nachricht 20 Stunden vor der Abreise und so blieb nicht viel Zeit. Lange musste er nicht überlegen, wen sein erster Anruf galt. Die tolle Vorstellung von Christof Höfer als Reservefahrer in Le Mans und das Versprechen Ihn als ersten zu fragen wurde eingelöst. Der junge Rennfahrer, der mehr unter seinem Spitznamen „Fifty73“ bekannt ist zögerte keinen Moment und stand am Montagabend mit Helm und Kombi im Fahrerlager in der Slowakei.

Die Trainingssitzungen überstand das Team aus dem sächsischen Pirna ohne Sturz und auch ein Motortausch am Dienstag wurde noch kurzerhand im laufenden Trainingsbetrieb von der perfekt eingespielten Mechanikertruppe absolviert. Auf einer neuen Strecke ohne Referenzdaten suchten die Fahrer nach der besten Linie und alle nach dem besten Setup für das Bike. Dazu kam, dass wir in der Stocksportklasse keinen Reifen zur Verfügung hatten, der bei einer annehmbaren Performance zwei Stunden hält. Zeitig ging man hier mit Reifenpartner Pirelli den Weg in die Sicherheit und Performance zu investieren, dafür aber drei Wechsel mehr in Kauf zu nehmen. Wenn man die verheerenden Stürze im Training und Rennen gesehen hat, sicher die richtige Entscheidung. RS Speedbikes Cheftechniker Ronny Schlieder passte Verbrauchs- und Gripniveau perfekt an die Verhältnisse an und David Stute von DS Supension hatte auch beim Fahrwerk die richtigen Antworten. Der 20. Platz im Zeittraining war anhand der vielen Piloten aus dem Alpe Adria Cup okay und Filip Altendorfer konnte mit einer 1:27iger Zeit eindeutig das Potential der BMW S1000RR aufzeigen.

Am Freitag revisionierten die Mechaniker dann beide Motorräder und fanden für den Bereich Kühlluftführung noch eine Optimierung, die die Motortemperaturen signifikant nach unten bringen sollten. Beim abendlichen Pit Walk sah man wiederum das Bemühen der Streckenbetreiber gute Gastgeber zu sein. Organisatorisch hatte man alles im Griff und der Umgang zwischen den Teams und den slowakischen Verantwortlichen war herzlich und unkompliziert. So ging man ohne einen Kratzer an die BMW S1000RR gemacht zu haben in den Renntag und Filip Altendorfer als Startfahrer ließ es in einer ereignisreichen ersten Rennstunde mit Köpfchen krachen und verbesserte sich um 5 Plätze. Er übergab das Bike an 15. Stelle liegend an den schnellen Dachdecker aus Glashütte, Rico Löwe. Auch dieser zeigte sich im Rennbetrieb bärenstark und übergab das Bike an 12. Stelle liegend an Christof Höfer. Dieser musste in extremer Sturzgefahr seinen Turn abrechen, denn der Vorderreifen hatte seinen Dienst versagt. Ein hektischer und unrhythmischer Wechsel kostete einige Plätze, die Filip Altendorfer dann wieder mit Hammerzeiten aufholte. Nach acht heißen und ereignisreichen Stunden kreuzte dann kurz vor der Zieldurchfahrt noch ein Hase die Strecke kurz vor Christof Höfer und die Ölfahne will im Dunkeln eigentlich auch keiner sehen. Was bleibt ist das beste Rennergebnis seit der Gründung des German Endurance Racing Teams vor zwei Jahren. Ein 12. Platz gesamt und Platz 5 in der Superstockklasse bescheren dem absolut privat finanzierten und sehr eigenständig agierenden Team aus Sachsen weiter 9 WM Punkte.

„Ich habe dem Team immer gesagt, dass man seine Grenzen kennen, aber genauso seine Möglichkeiten nutzen muss. Unsere Ziele waren klar definiert und öffentlich kommuniziert worden. Ein Einzelergebnis unter den Top 5 und am Ende ein Gesamtergebnis unter den Top 10. Mit dem achten Gesamtrang im FIM Endurance – World Cup sind wir leicht über Plan und hätten mit etwas mehr Glück in Le Mans noch weiter vorn landen können“, ließ sich ein glücklicher und zugleich analytischer Teamchef Karsten Wolf vernehmen. Die Freude war der lustigen Truppe aus Sachsen bei der abschließenden Feier anzumerken und viele Freunde schauten am Abend gern mal auf ein Getränk bei GERT56 vorbei. Wir lieben diese Atmosphäre, den freundlichen Austausch, der den harten Wettbewerb am nächsten Tag zu dem macht was er sein soll, ein sportlicher Wettkampf.

Stellt sich wie immer die Frage: Wie geht’s weiter nach diesem Saisonfinale mit GERT56 und der Endurance WM. „Ehrlich gesagt, tut uns die durch das WM Finale in Suzuka künstlich geteilte Saison nicht gut. Wir haben nun in 80 Tagen drei Rennen bestritten und hätten nun drei Monate Zeit bis zum ersten Rennen 2018 im September 2017 in Le Castellet. Fahrerverträge und Sponsorenverträge sind oft Kalenderjahresverträge. Dazu stellte die FIM auf einem Mangerbriefing schwammige Reglementänderungen in Aussicht, die vor allem die Tankanlage betreffen und ebenfalls einen enormen Kosten- und Zeitaufwand darstellen.“ Fährst du nicht alle Rennen verlierst du sofort den Permanentstatus und damit die Privilegien und die Zuwendungen als Contracted Team. Wenn man die vollen Starterfelder in Frankreich sieht, die aus allen Nähten platzen und dann die bei den Rennen in Deutschland, Portugal oder der Slowakai, wo mit Wild Card Teams gerade mal 30 Starter zustande kommen, dann ist das ein Zeichen, dass die gut gemeinten Maßnahmen von FIM und Eurosport Events, ihre Wirkung nicht entfalten. Man spricht nun mittlerweile von drei 24 Stunden Rennen, denn im nächsten Jahr soll Spa Francorchamps im Juni zum Kalender hinzukommen. Die Frage, wie man 4 Renntermine vor das Finale im Juli quetschen will blieb unbeantwortet. Das Starterfeld besteht zu 70 bis 80 % aus Privatteams, die finanziell und zeitlich an der Grenze operieren. Diese gilt es zu halten und zu fördern, nicht die Werke. Die bekommen das hin.

„Eine Regel die besagt, wenn man 75 % aller Rennen fährt und trotzdem seinen Permanent- und Zuwendungsrecht behält, würde hier schon sehr weiterhelfen. Auch 12 Stunden Formate oder das 2 x 6 Stunden Variante, wie in der EM in Magny Cours würden Kosten reduzieren und vor allem für den Zuschauer Rennübersicht, Attraktivität und Spannung erhöhen. Die knappen Rennausgänge, vor allem bei diesen vergleichsweise kurzen Rennen (z.B. Portimao 2016) geben mir hier sicher Recht. Wir haben als Team und Freunde intensiv diskutiert und klar definiert, dass wir auch in der WM Saison 2018 an mindestens drei FIM Endurance WM Rennen teilnehmen werden. Diese müssen aber vor allem zur finanziellen Ausstattung und zu den terminlichen Lebensentwürfen privat und beruflich passen. Wir werden uns weder verschulden, noch aus Zeitgründen eine bezahlte Söldnertruppe werden. Wir werden technisch, aber vor allem fahrerisch investieren, um in 2018 das Stocksportpodium aus eigener Kraft anzugreifen und uns auch im Gesamtrang zu verbessern. Dazu laufen bereits Gespräche und viele sind noch zu führen. Mit Partnern und Sponsoren gleichermaßen, wie mit Fahrern und Familien. Wir werden uns weder vom Reglement noch vom Terminplan vor uns hertreiben lassen.

Bleibt uns nur noch herzlich Danke zu sagen bei allen Sponsoren, die manchmal mehr Mäzen sind, da sie eher unsere Leidenschaft teilen, als den wirtschaftlichen Hintergrund zu sehen. Vielen von Ihnen sind zu Freunden geworden, man trifft sich regelmäßig und man stützt sich. Ebenso Dank an die Arbeitgeber und Firmen für den Urlaub und die Freistellungen. Am wichtigsten ist aber die Familie, der wir Zeit wegnehmen, manchmal fern der Heimat Spaß haben, aber irgendwann merken, dass man um glücklich zu sein alles braucht, die Familie zu Hause und die Familie an der Rennstrecke. Unsere heißt GERT56!

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8 Hours of Slovakia Ring – Championship Classification – Ranking SST Team World Cup 8 Hours of Slovakia Ring – Race – Final ranking

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